Kirche
St. Nikolai : Baugeschichte
St. Nikolai ist die älteste der drei großen Pfarrkirchen
Stralsunds. Mit der Verleihung des Stadtrechtes 1234 begann
der Bau einer gewaltigen Hallenkirche, die um 1270 für Messen
und Bestattungen teilweise genutzt werden konnte. Ein Brand
oder teilweiser Einsturz eines Glockenträgers um 1270 war
vermutlich Anlass, diesen Bau im Bereich des Chores wieder
abzureißen und nach dem Vorbild französischer Kathedralen
und mit Blick auf die im Bau befindliche Lübecker Marien-
kirche neu zu errichten. Nach Vollendung des Hohen Chores
wurde dieser nach Westen provisorisch abgeschlossen. Bereits
1279 wird die Weihe der Hochaltars überliefert. Langhaus und
Einturm des Vorgängerbaus werden zu Beginn des 14. Jhdts.
abgerissen. Es wird mit dem Bau der Doppelturmanlage begon-
nen. Bis etwa 1350 wird der Bereich zwischen der Doppelturm-
anlage und dem Hohen Chor durch das Langhaus geschlossen.
Der Südturm hat eine Höhe von 102 m, Hoher Chor und Lang-
haus erreichen die Höhe von 29 m.
Mit dem Aufstieg Stralsunds zur mächtigsten Stadt im "wend-
ischen Quartier" der Hanse wird die Ratskirche ausgesprochen
reich, vornehm und gediegen ausgestattet. Die 56 (!) Altäre
hatten einstmals ihren Platz an den Pfeilern im Hohen Chor, im
Langhaus und in den Kapellen der Seitenschiffe. Der größte
Teil der Altäre wurde mit der Reformation (Bildersturm 1525)
aus der Kirche entfernt. Trotz großer Verluste ist die Kirche
mit dem auf unsere Zeit überkommenen Inventar eine der
reichsten Nordeuropas. In nachreformatorischer Zeit wurden
die Kapellen als Räume für die Bestattung vornehmer Bürger-
familien genutzt und oftmals mit aufwendigen Schauwänden
zum Seitenschiff hin geschlossen.
Der natürliche Alterungsprozess erfordert etwa alle 100 Jahre
eine Gesamtinstandsetzung des Baus. Seit 1971 wird mit
erheblichen kirchlichen Mitteln das Äußere der Kirche vor
dem Verfall bewahrt. Die Restaurierung des Innenraumes der
Kirche begann 1980 und dauert gegenwärtig noch an. Ziel der
Restaurierung ist die Wiederherstellung der Architekturfarbig-
keit nach der ersten einheitlichen Fassung um 1350. In wohl
keiner Kirche Norddeutschlands gibt es eine so eigenständige
und reiche Farbfassung wie in der Stralsunder Nikolaikirche.
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